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Lautstarker
Protest gegen Bahnlärm
hallt
unüberhörbar bis nach Berlin
15.
Dezember 2006
Zweckverband
Welterbe Oberes Mittelrheintal verzeichnet inzwischen fast 15.000 Unterschriften
- Am 7. Februar 2007 sollen die Unterschriften in Bingen an Bahnchef Mehdorn übergeben
werden.
Der lautstarke Protest gegen den Bahnlärm ist inzwischen unüberhörbar
- und hallt bis Berlin. Mitte Oktober hatte der Zweckverband Welterbe Oberes
Mittelrheintal die Bürger im Rheintal zu einer Unterschriftenaktion gegen den
Bahnlärm und weiter zunehmende Belastungen durch Güterverkehr aufgerufen. Das
Ergebnis kann sich sehen - und vor allem
lesen - lassen.
Verbandsvorsteher Günter Kern (Landrat des Rhein-Lahn-Kreises) stellte es
gemeinsam mit seinen Stellvertretern Bertram Fleck (Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises)
und Karl Ottes (Erster Kreisbeigeordneter des Rheingau-Taunus-Kreises) sowie dem
Vorstand der Öffentlichkeit vor. Fast 15.000 Unterschriften liegen bisher auf
dem Tisch. Sie alle werden bei nächster Gelegenheit Bahnchef Hartmut Mehdorn übergeben.
Diese Gelegenheit wird wohl am Mittwoch, 7. Februar 2007, in Bingen gegeben
sein. Dann werden bei
einer abendlichen Konferenz Maßnahmen gegen den Bahnlärm zur Sprache kommen.
Kern rechnet fest damit, dass bis dahin noch weitere Unterschriftenlisten
eingehen werden.
Besonders erfreut ist der Zweckverband darüber, dass neben der Solidarisierung
der Bevölkerung auch die Politik im Rheintal sich
geschlossen und entschlossen
gezeigt habe. Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Kreistage, Verbandsgemeinde-
und Gemeinderäte schalteten sich ein, Resolutionen wurden verabschiedet,
Arbeitsgruppen gebildet, Konferenzen einberufen. Ein Nachtfahrverbot sei ebenso
ins Gespräch gekommen wie Höchstlärmgrenzen oder "Preisanreize" für
leisere Waggons, noch mehr Schallschutzmaßnahmen und eine andere oder neue
Bahntrasse fernab des Rheintals. Der Zweckverband habe die Ministerpräsidenten
Kurt Beck (Rheinland-Pfalz) und Roland Koch (Hessen) eingeschaltet. Alles in
allem hätten alle Parteien erkannt, dass der Bahnlärm nicht nur gesundheitsschädlich
ist, sondern auch immer mehr Existenzen zerstöre. Immerhin gebe es Tage, an
denen die Bahn auf nur einer Strecke mehr als 200 Mal vorbeifahre. Fazit für
Kern: "Die Politik zeigt sich beim Thema Bahnlärm gemeinsam am Zug".
Das
Ergebnis münde nun auch in eine Initiative des Landes Rheinland-Pfalz, die
Wirkung bis nach Berlin zeige. So habe Verkehrsminister Hendrik Hering ein
Aktionsprogramm und die Einschaltung der Bundespolitik gefordert. Sein Vorschlag
ziele neben der weiteren Verbesserung des passiven Schallschutzes - also
beispielsweise Schallschutzwände - vor allem auf den aktiven
Schallschutz - also
leisere Waggons - hin. Zur Zeit - so Kern - sei die Umrüstung der Güterzüge
auf leisere Achsen und Bremsen der kurz- und mittelfristig geeignete Weg, um den
Menschen und der Region direkt zu helfen. Man könne den frappierenden
Unterschied dann feststellen, wenn ein moderner ICE durchs Rheintal fährt. Die
Bahn - so Kern - habe inzwischen "leise Hoffnungen" geweckt, wenn auch
die Finanzierung noch offen sei. Sicherlich komme aber langfristig eine
Verlegung der Bahntrasse aus dem Tal heraus einer Erlösung gleich. Neuester
Stand sei der, dass sich Rheinland-Pfalz mit seinem Ministerpräsidenten Kurt
Beck und Verkehrsminister Hendrik Hering für eine Bundesrats-Initiative
einsetzen. Kern: "Gegen den Bahnlärm ist also einiges in Bewegung. Es gibt
so etwas wie eine ganz, ganz große Koalition."
Für den
Zweckverband ist die Initiative gegen den Bahnlärm absolut konsequent. Denn der
Bahnlärm schädige auch immer mehr die Wirtschaft im Rheintal. Die Gefahr, dass
die Bahntransporte im Rheintal zunehmen, sei nicht von der Hand zu weisen. An
der Nordseeküste würden weiter mit Nachdruck die Häfen ausgebaut. Auf der
anderen Seite würden neue Tunnel durch die Alpen die innereuropäische Nord-Süd-Trasse
immer interessantermachen für den Güterverkehr auf der Schiene. In anderen Ländern
und Regionen - so zum Beispiel in den Niederlanden - würden für diesen Zweck
neue, moderne Bahntrassen gebaut, während im Rheintal alles beim Alten bliebe.
Kern ist der Auffassung, dass das extreme Nadelöhr Oberes Mittelrheintal
langfristig vom Bahnverkehr entlastet werden muss. Und das heißt: An einer
neuen Trasse außerhalb des Rheintales führt kein Weg vorbei. Wie lange aber
allein Raumordnungs- und Planungsverfahren mit allen folgenden rechtlichen
Auseinandersetzungen dauern, sei am Beispiel der ICE-Trasse Köln-Frankfurt hinlänglich
bekannt. Kurz- und mittelfristig setze man daher auf Sofortmaßnahmen. Und das
bedeutet: Der Schienenverkehr muss entschieden leiser werden. Und das sofort.
Froh ist
der Zweckverband, dass sowohl von Gebietskörperschaften als auch von Firmen und
Privatinitiativen die Aktion so positiv unterstützt wurde. Kern: "Auch
Einzelpersonen haben sich mit Aufruf und Listen auf den Weg gemacht und in ihrer
Straße Unterschriften gesammelt. Allein im Rheingau wurden 5.017 Unterschriften
gesammelt. Wir wissen, dass der Aufruf hunderte
Male von
unserer Internetseite geladen wurde." Kern betont, dass die fast 15.000
Unterschriften noch nicht einmal das komplette Ergebnis darstellen. Der
Zweckverband habe versucht dies alles zu bündeln, doch beinhalteten die Zahlen
zahlreiche weitere Initiativen nicht. Die Welle der Empörung – so Kern - sei
auch in benachbarte Regionen geschwappt. Auch im Rheintal
zwischen Koblenz und
Remagen / Linz sei die Bevölkerung aktiv geworden. Aktionen habe es auch im
Bundesland Nordrhein-Westfalen - vor allem im Raum Bonn - sowie an der
Rheinschiene in Baden-Württemberg gegeben. Die Medien hätten dieses Thema
ebenfalls massiv befördert. Wie viele Unterschriften es genau sind, versucht
der Zweckverband noch eruieren. Nach vorsichtiger
Schätzung dürfte sich
die Zahl um die 20.000 bewegen.
Auslöser
der Unterschriftenaktion war ein zunächst als "harmlos" angesehener
Pressebericht Mitte August, nach dem die Bahn eine Verstärkung des Güterverkehrs
auf der linken Rheinseite plane. Die bisher schon gegen Bahnlärm engagierte
"Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die
Bahn" mit Willi Pusch (Kamp-Bornhofen) meldete sich ebenso zu Wort wie
einzelne Bürger aus der Region. Auf der linken Rheinseite rief Bürgermeister
Thomas Bungert (St. Goar-Oberwesel) zu Bildung einer weiteren Bürgerinitiative
auf. Aufgrund der fast nicht mehr überschaubaren Aktivitäten schaltete sich
der Zweckverband ein. Sein Vorschlag: Die zahlreichen Einzelaktionen könnten möglicherweise
verpuffen. Statt dessen sollten mit und in einer groß angelegten
Unterschriftenaktion des Zweckverbandes alle Ergebnisse gebündelt werden.
Mitte Oktober folgte
dann ein Aufruf des Zweckverbandes, der aufgrund seiner deutlichen Sprache die
Wirkung nicht verfehlte. Unter dem Motto "Das Lärm-Maß ist voll" ließen
tausende Menschen mit ihrer Unterschrift Dampf ab.
In der Folge wurde der
Protest gegen den Bahnlärm immer lauter und inzwischen ist er unüberhörbar. Für
den Zweckverband - so Günter Kern - kann das Thema damit nicht beendet sein.
Kern: "Wir werden weiter am Zug bleiben, damit es wieder erträglich wird
im Rheintal. Das Welterbe-Tal hat mit einer Stimme gesprochen. Und das werden
wir auch weiterhin tun."
Siehe auch hier
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