| Bundesvereinigung gegen Schienenlärm e.V. |
Bahn - Laerm: Oft lauter als gedacht
Messkampagne an 365 Messorten in ganz Deutschland zeigt: Laermminderung am Schienennetz reicht oft nicht aus
Pressebericht des
Umweltbundesamtes
Berlin, den 02.02.04
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Eine langjaehrige Messkampagne des Umweltbundesamtes (UBA), bei der etwa 13.000 Zugvorbeifahrten gemessen wurden, belegt: Haeufig ist die Bahn lauter als berechnet. Die Ergebnisse der Messungen, an denen auch Forschungsunternehmen, Landesumweltaemter und Landesanstalten beteiligt waren, zeigen: Die Differenzen zwischen Theorie und Wirklichkeit der Geraeuschentwicklung von Zuegen koennen bis zu 3 Dezibel dB (A) betragen - das kommt in der Laermwirkung einer Verdoppelung der Zahl der vorbeifahrenden Zuege gleich. Gruende dafuer liegen vor allem in den Gleisarten sowie bei den Bremssystemen der Zuege. Leidtragende sind Anwohnerinnen und Anwohner an Bahnstrecken. Sie sind hoeheren Laermbelaestigungen ausgesetzt, weil die Laermschutzeinrichtungen - zum Beispiel Waelle oder Waende - auf die errechnete Laermentwicklung ausgelegt sind. Der Laerm, den Zuege verursachen, wird mit vorgeschriebenen Berechnungsverfahren ermittelt. Es gibt jedoch eine Reihe erheblicher Abweichungen zwischen der berechneten und der tatsaechlich gemessenen Geraeuschentwicklung der vorbeifahrenden Zuege. Bisher galt zum Beispiel: Alle Zuege, die auf Holzschwellengleisen fahren, sind um 2 dB(A) leiser als auf Betonschwellengleisen. Fuer Zuege mit Graugussklotzbremsen trifft das aber nicht zu, wie das UBA feststellte. Sie sind hier sogar um 1 bis 2 dB(A) lauter als auf Betonschwellen. Fuer Hochgeschwindigkeitsstrecken gibt es die besondere Gleisart "Feste Fahrbahn". Hier ist ein Zug um rund 3 dB(A) lauter als auf einem Betonschwellengleis. Diese hoehere Geraeuschentwicklung versucht man durch Montage von Absorbern auf die "Feste Fahrbahn" vollstaendig zu kompensieren. Ohne Absorber sind Gueter- und auch Intercityzuege (IC) jedoch nicht 3 dB(A) - wie bisher angenommen - sondern 4 dB(A) lauter. Und: Die Absorber bewirken bei diesen Zugarten lediglich eine Geraeuschminderung von 2 dB(A) statt der erwarteten 3 dB(A); damit ergibt sich immer noch eine hoehere Laermentwicklung von etwa 2 dB(A). Die ist gravierend, denn: Leider zeigt sich, dass beim ICE 1 und ICE 2 die Wirkung von Schallschutzwaenden nicht so hoch ausfaellt, wie berechnet wird. Die Folge: Trotz Schallschutzwaenden sind Anlieger an diesen Strecken unzureichend vor Laerm geschuetzt. Gleis-Schleifverfahren bringen sehr unterschiedlichen Erfolg. Das "Oberbauschleifen" der Gleise, das meist der Betriebssicherheit dient, bringt bei Zuegen mit Graugussklotz-gebremsten Wagen mit nur 1,5 dB(A) wenig Geraeuschreduzierung. Scheibengebremste Zuege erreichen hingegen eine Pegelminderung von 3 bis 4 dB(A). Um die Vorgaben der Berechnungsverfahren hier einzuhalten, muessten im Mittel alle neun Jahre die Gleise geschliffen werden. Das aufwaendigere "akustische Schleifen" - Bestandteil der Laermminderungsmassnahme "Besonders ueberwachte Gleis" - reduziert bei scheibengebremsten Zuegen die Geraeuschentwicklung um 6 bis 7 dB(A). Bei Zuegen mit Graugussklotzbremsen aber ergibt sich durch diese Schleiftechnik auch hier nur eine Verbesserung von 1,5 dB(A). Um den Zielwert fuer das "Besonders ueberwachte Gleis" einzuhalten, muesste - ueber alle Zuege gemittelt - alle zweiJahre "akustisch" geschliffen werden. Das UBA empfiehlt daher, dass die Erkenntnisse der Messkampagne in geeigneter Weise schnell umgesetzt werden. Nur so ist sicherzustellen, dass betroffene Anlieger in jedem Fall den erforderlichen Schallschutz bekommen. Das UBA unterstuetzt zudem die Forderung nach einem zuegigen, europaweiten Ersatz der Graugussklotz-Bremsen. Es setzt sich weiterhin dafuer ein, die Laermbelastung der Anlieger von Eisenbahnstrecken durch regelmaessiges Schleifen der Gleise zu reduzieren. Die vier Baende sind in der
Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nr. 58/03 bis 61/03
erschienen, kosten je Band 7,50 Euro und koennen ueber Werbung und
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Berlin, Telefon 030/2 11 60 61, Fax: 030/2 18
13 79, e-Mail: berlin@wundv.com, bestellt werden. UBA-Text 58/03: Kurzfassungen sind auf der Internetseite des UBA unter der Adresse veroeffentlicht: http://www.umweltbundesamt.de/laermprobleme/hauptlaermquellen/schienenlaerm.html. |