Bundesvereinigung gegen Schienenlärm e.V.

Studien

Anmerkungen zu einer Studie von Dr. E. Greiser
Stand Dezember 2010

Unter folgendem Link erschien am 10.12.2010 ein Bericht, zu dem wir folgende Anmerkungen machen möchten.

http://www.fr-online.de/frankfurt/krach-am-airport-/-/1472798/4911240/-/index.html
Wie sich Fluglärm auf die Gesundheit auswirkt, soll demnächst in Frankfurt und der Region untersucht werden. Die federführende Rolle hat das vom Land Hessen gegründete Gemeinnützige „Umwelt- und Nachbarschaftshaus“ in Kelsterbach übernommen. Die Flughafen-Ausbau-Gegner (FAG) halten das bisherige Konzept für die Untersuchung aber für „unwissenschaftlich und unseriös“. Um ihre Kritik zu begründen, hatten sie am Donnerstag Eberhard Greiser eingeladen. Greiser hatte mit einer bahnbrechenden Untersuchung über die gesundheitlichen Auswirkungen des Fluglärms im Raum Köln-Bonn in diesem Jahr für einiges Aufsehen gesorgt.

Es gibt eine kritische Untersuchung - die dem Umweltbundesamt auch vorliegt - zu folgender Studie, die das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben hat:

Beeinträchtigung durch Fluglärm: Arzneimittelverbrauch als Indikator für gesundheitliche Beeinträchtigungen
Dr. Eberhard Greiser ,Claudia Greiser , Katrin Jahn
Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamtes
Förderkennzeichen 205 51 100, November 2006

Zur Auswertung dieser Studie wurden mathematische Verfahren eingesetzt. Die Greiser Studie hat gezeigt, dass bei nächtlichem Verkehrslärm mit kurzen sehr lauten Schallereignissen und längeren ruhigen Lärmpausen der Arzneimittelverbrauch steigt. Kritisch an dieser Untersuchung ist anzumerken: 

  • Anstelle einzelner besonders lauter Schallereignisse werden hier Mittelwerte aus Lärmpausen und Schallereignissen verwendet und deren Zusammenhang mit dem Arzneimittelverbrauch gesucht.
  • Die eingesetzten Regressionsverfahren konstruieren überwiegend lineare Zusammenhänge. Viele der untersuchten Parameter hängen jedoch nicht linear mit dem Arzneimittelverbrauch zusammen. Einer Untersuchung sollte eine Beispielrechnung vorangestellt sein, um zu zeigen, dass das zur Verwendung vorgesehene Programm geeignet ist. Für eine Beispielrechnung sollten eindeutige Ausgangsparameter angegeben werden, für die die erwarteten Resultate einfach erkennbar sind - und als "plausibel" anerkannt werden. 
  • Eine hier angeführte Beispielrechnung zur Epidemiologie zeigt bereits, dass die Auswahl einer für die o.g. Untersuchung geeigneten Kurve entscheidend für das Ergebnis sein kann.

Regelmäßig wird in Studien am Ende darauf hingewiesen, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, da nicht alle Parameter erfasst werden konnten. Es wird vermieden, einen eindeutigen Zusammenhang zu definieren wie ihn z.B. Dr. Scheuermann fordert: „Die Maßeinheiten im Rahmen einer Risikobetrachtung müssen klar definierte objektivierbare Endpunkte sein, wie beispielsweise der Eintritt von Tod oder Krankheit.“ aus:Neue Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Risiken des Ausbaus des Flughafens Rhein-Main - Ergebnisse einer aktuellen Literaturrecherche Pressekonferenz der FAG-Fraktion 29.07.08

Greiser selbst wies bereits 2005 in seinem Projektantrag für die o.g. Studie  darauf hin, dass erhöhter Medikamentengebrauch zur Behandlung von Bluthochdruck bzw. Herzkrankheiten auf keinen Fall als kausaler Beweis dafür herangezogen werden darf, dass die den Verordnungen zugrunde liegenden Erkrankungen durch Fluglärm hervorgerufen wären. Dieser Schluss ist deswegen unzulässig, weil neben Lärm jeder Art für die in Frage kommenden Erkrankungen eine Vielzahl von anderen Risikofaktoren wissenschaftlich etabliert ist. Die Qualitätssicherungsgruppe, die das UBA eingesetzt hatte, fügt hinzu: "Ferner ist zu beachten, dass Umweltexpositionen in der Regel keine neuen Krankheiten verursachen, sondern meist Krankheitsbilder verstärken oder verschlimmern, die durch andere Mechanismen ausgelöst wurden."

Es gibt inzwischen eine Fülle von Studien zur Lärmwirkung von Verkehrslärm.
Wir können unseren Mitgliedern z. Z. nicht raten, weitere Studien zu fordern. Wir stehen auf dem Standpunkt:

  • Es ist längst alles gesagt
  • Studien haben nur noch aufschiebende Wirkung
  • die Politik muss endlich handeln