Bundesvereinigung gegen Schienenlärm e.V.

Aktuelle Notizen in 2005

7. 11. 2005:  Schienenlärm stört mehr als Fluglärm:

Ein Team um Professor Barbara Griefahn vom Institut für Arbeitsphysiologie der Universität Dortmund stellte in einer Untersuchung fest, dass der Einfluß von Eisenbahngeräuschen auf den Nachtschlaf bisher wohl unterschätzt wurde. Probanden wurden drei Wochen lang in jeweils drei aufeinander folgenden Nächten mehrmals pro Nacht Flug-, Schienen-  oder Straßenverkehrslärm ausgesetzt, wobei die Geräusche einen Schallpegel von bis zu 70 Dezibel hatten. Untersucht wurde die Häufigkeit der polysomnographisch gemessenen Aufwachreaktionen und Veränderungen der Tiefschlafphasen.
Ausgegangen war Griefahn von der Hypothese, dass Fluglärm am ungünstigsten für den Nachtschlaf sei. Wie sich aber in der Versuchsreihe  herausstellte, ist dies allerdings nicht der Fall. Am schlechtesten schnitt der Schienenlärm ab, der die Wahrscheinlichkeit aufzuwachen im Mittel um 19 Prozent steigerte. Beim Fluglärm waren es 16 Prozent, beim Straßenverkehr 13 Prozent. Wie sich weiter herausstellte, verkürzt der Schienenlärm die Tiefschlafphase mehr als der der Fluglärm.
Nur beim Schienenlärm waren die Tiefschlafphasen im wichtigen ersten Schlafzyklus signifikant kürzer, verglichen mit lärmlosen Kontrollnächten.
Ein Grund für dieses Ergebnis sei, daß Zuglärm relativ rasch laut werde. Bei startenden Flugzeugen hingegen schwillt der Lärm langsamer an. 


19. 10. 2005: Zur Sicherheit von Lärmschutzwänden an Hochgeschwindigkeitsstrecken:

Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke 2960 (NBS Köln/Rhein- Main) dürfen nach einem Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes  z. Z. sämtliche Fahrzeuge  im Bereich zwischen km 103.573 bis km 106.773 nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit fahren.
Warum?
An der NBS Köln-Rhein/Main kam es schon kurze Zeit nach der Inbetriebnahme zu Schäden an zahlreichen Lärmschutzwänden. Diese Schäden sind darauf zurückzuführen, dass die vorbeifahrenden Züge an den Lärmschutzelementen durch zeitlich und örtlich veränderlichen Staudruck sehr häufige Spannungswechsel auslösen. Die Folge ist eine kurzfristige Materialermüdung, die nicht nur die Dauerhaftigkeit der Bauwerke sondern auch die Verkehrssicherheit und die Standsicherheit gefährdet. Die DB AG hat erkannt, dass Aluminiumelemente,die der Belastung standhalten können, erst noch entwickelt werden müssen. Aufträge zur erforderlichen Grundlagenforschung wurden von der DB AG inzwischen erteilt. Die Wände an der NBS Köln-Rhein/Main wurden aus Sicherheitsgründen z.T. völlig abgebaut. Nun hat die DB AG wegen ihrer gigantischen Fehlplanung ein neues Sanierungskonzept erstellen müssen. Der Umfang der Sanierung ist so unvergleichbar groß , dass die DB AG bisher keine Übersicht hat und nicht angeben kann, wieviele Millionen Euro ihr Sanierungskonzept insgesamt kosten wird und die Frage, wer diese gigantische Fehlplanung am Ende zu bezahlen hat, ist ebenfalls völlig offen und wird vermutlich jahrelang Gutachter, Anwälte und Gerichte beschäftigen.
Betroffen sind dieStreckenabschnitte zwischen Bf Siegburg und Abzw. Mönchhof der Hochgeschwindigkeitsstrecke 2960 (NBS Köln/Rhein- Main).

Die DB AG beabsichtigt - neben dem Rückbau von Wänden - , auch das besonders überwachte Gleis  (BüG) - statt der ursprünglich planfestgestellten Lärmschutzwände  einzusetzen. In ihrem Sanierungskonzept versucht sie das BüG zu rechtfertigen und hofft, das EBA mit ihrer Argumentation überzeugen zu können. Die DB AG argumentiert, dass z.Z. weniger als die planfestgestellten Züge fahren. Das EBA könnte u. U. der Planänderung in manchen Abschnitten zustimmen, ohne dass es eine neue Planfeststellung mit Anhörungsverfahren und Offenlage gibt. Es ist deshalb zu befürchten, dass die Betroffenen von dieser Planänderung nicht in Kenntnis gesetzt  werden und eines Tages erstaunt feststellen müssen, dass ein Neubau der Lärmschutzwand - für die sie vielleicht jahrelang gekämpft haben - gar nicht mehr vorgesehen ist, weil angeblich weniger Züge fahren als ursprünglich geplant.  Kostenersparnis durch das BüG circa 8 Mio.€. 
Die DB AG hat ein Interesse daran, die Sanierung möglichst bis Ende 2008 abzuschließen, denn mit Fahrplanwechsel ab 2008/2009 hat sie auf der Strecke wieder eine "Erhöhung des Betriebsprogramms vorgesehen".

Die BVS wird die Betroffenen weiter informieren. Für weitere, aktuelle Hinweise wäre die BVS dankbar. mailto:schienenlaerm@gmx.de

Rechtliche Bewertung der DB AG zur Einführung des BüG
Kommentar der BVS zur Einführung des BüG statt Wiederaufbau von Lärmschutzwänden
Mängelliste
Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes
und weitere Informationen.